Schwellenmärkte und Trump als Präsident – Kein Grund zur Panik
16. November 2016

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Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl mit Donald Trump als Sieger hat zahlreiche Auswirkungen auf die Märkte rund um die Welt, auch in Schwellenmärkten. Als deutlich wurde, dass der Sieger Trump heißen würde, reagierten die Aktienmärkte im Sinne eines Schocks, wie ihn viele Wähler in den USA erlebten. Besonders die Schwellenmärkte zeigten sich volatil. Im Wahlkampf standen die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko – der zweitgrößten Volkswirtschaft in Lateinamerika – im Mittelpunkt von Donald Trumps Versprechungen, eine größere Mauer an der Grenze zu errichten, um die Einwanderung einzudämmen, ebenso wie die Aufkündigung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA, dem auch Kanada als Mitglied angehört. Am Tag nach der Wahl verursachte der Sieg Trumps einen steilen Fall des mexikanischen Pesos auf ein Rekordtief gegenüber dem US-Dollar. Auch Mexikos Aktienmarkt gab nach, ebenso die meisten übrigen Märkte Lateinamerikas.

Angesichts der Unsicherheit im Hinblick auf die mögliche US-Politik unter einem Präsidenten Trump dürften die Märkte weltweit für eine gewisse Zeit volatil bleiben. Aus meiner Sicht sollten wir jedoch mit etwas Abstand betrachtet feststellen, dass ein großer Teil der Äußerungen im Wahlkampf nicht zu konkreten Maßnahmen führen dürfte. Wer seine Wahlkampfkommentare für bare Münze nimmt, könnte erwarten, dass extreme politische Änderungen bevorstehen. Es kommt mir jedoch so vor, dass einige Menschen zu viel Pessimismus und Angst verbreiten, für die es möglicherweise keine Gründe gibt, angesichts der Beschaffenheit der US-Wirtschaft und des politischen Systems mit seinen weiterhin bestehenden Kontrollen und Interessenausgleichen. Solle Trump in der Lage sein, das robuste Wirtschaftswachstum zu erreichen, das er für sein Land fordert, dürften nach unserer Meinung andere Länder – insbesondere Mexiko und andere Schwellenländer – davon profitieren.

Persönlich hat mich der Wahlsieg Trumps nicht überrascht. Auch in Europa und anderen Teilen der Welt beobachten wir eine ähnliche Politikverdrossenheit, die sich jetzt in den Vereinigten Staaten manifestiert. Insbesondere haben viele Umfragen vor der Wahl die Unzufriedenheit derjenigen Amerikaner nicht vollständig erfasst, die in wirtschaftlich benachteiligten Gegenden des Landes leben. Ich hoffe, dass Trump als Geschäftsmann und nach eigener Aussage cleverer Verhandlungsführer positive Lösungen erreichen kann, beispielsweise Handelsabkommen, die womöglich eher bilateral als multilateral (wie die NAFTA) sein werden. Als Geschäftsmann wird sich Trump wahrscheinlich bei Verhandlungen mit Ländern auf bekanntem Terrain fühlen und dürfte nach meiner Meinung einige Handels- und Investitionsvereinbarungen erreichen, die von beiden Seiten als Gewinn wahrgenommen werden. So könnte es ein neues Verhältnis und Handelsabkommen mit Russland geben, denn auch dieses Land war einer der Schwerpunkte für Trump im Wahlkampf. Auch einige andere Schwellenländer, die mit den kategorischen und starren Regeln multilateraler Abkommen nicht glücklich sind, dürften positive Folgen erfahren. Darüber hinaus könnte das Potenzial für Steuersenkungen und ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld in den Vereinigten Staaten einige heimische Unternehmen veranlassen, nicht nur im Inland, sondern auch international zu expandieren, besonders in den wachstumsstarken Schwellenmärkten. Wenn ich dem neuen US-Präsidenten einen Rat geben müsste, würde ich ihm vorschlagen, Freihandels- und Investitionsabkommen mit Ländern überall auf der Welt abzuschließen.

Am Ende einer jeden Wahl gibt es Gewinner und Verlierer. Als Anlageverwalter ist es unsere Aufgabe, diese Zeiten des Schocks zu meistern und festzustellen, welche Länder und Unternehmen überleben und gestärkt aus dieser Phase hervorgehen werden. Natürlich müssen wir genau hinschauen. Insgesamt sehen wir noch viele überzeugende Gründe, generell in Schwellenmärkte zu investieren. Einige dieser Aspekte sind Wachstumsstärke, solide Haushaltspolitik und positive demografische Entwicklungen. Die US-Wahl hat gezeigt, dass es überall zu Überraschungen kommen kann. Während dieser Phase erhöhter Volatilität an den Märkten glauben wir als Templeton Emerging Markets Group, dass es für Anleger wichtig ist, eine langfristige Perspektive einzunehmen. Sie sollten sich durch die kurzfristige Volatilität, die wir wahrscheinlich weiterhin in den Schwellenmärkten beobachten werden, nicht vom Kurs abbringen lassen.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Mark Mobius dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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