Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Antworten auf Leserfragen

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Auch wenn ich nicht immer jede Ihrer Fragen sofort beantworten kann, freue ich mich über Post von meinen Lesern und schätze das Feedback meiner Follower sehr. Es freut mich, dass ich über meinen Blog, Twitter und LinkedIn Menschen auf der ganzen Welt erreiche. Da sich das Jahr dem Ende zuneigt, halte ich es für einen guten Zeitpunkt, auf eine Leserfragen einzugehen.

F: Erlauben Sie mir die Frage: Meinen Sie, dass auseinanderdriftende geldpolitische Maßnahmen – und wahrscheinlich in steigendem Maße auch die Haushaltspolitik – die Spielregeln in Richtung Marktstabilität ändern könnten? G. in Kanada (über Twitter)

A: Ja, dem stimme ich zu. In den Vereinigten Staaten wird mit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten eine deutliche Ausweitung des Haushalts wahrscheinlich, verbunden mit höheren Ausgaben und höheren Zinssätzen. Dies könnte zu einem anderen Umfeld führen, als das, was wir in den letzten Jahren erleben. Trotz der Stärke des US-Dollars könnten wir tatsächlich eine Dollarschwäche beobachten, da Trump anstrebt, die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie weltweit zu stärken. Angesichts der Unsicherheit im Hinblick auf die mögliche US-Politik unter einem Präsidenten Trump dürften die Märkte weltweit für eine gewisse Zeit volatil bleiben. Aus meiner Sicht sollten wir jedoch davon ausgehen, dass ein großer Teil der Wahlkampfrhetorik möglicherweise nicht zu konkreten Maßnahmen führt. Der Präsident kann zwar die Geldpolitik nicht unmittelbar bestimmen, jedoch ergibt sich aus seinen Äußerungen, dass Trump Druck auf die US-Notenbank (Fed) ausüben könnte, die Zinsen anzuheben – was dem wahrscheinlichen Plan der Fed bereits vor der Wahl entsprechen dürfte. Wir werden beobachten, wie sich die Geld- und Haushaltspolitik in den Ländern entwickelt, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Asien. Dabei könnte es zu interessanten kurzen Wechselwirkungen kommen.

F: In einem kürzlichen Blog führen Sie gute Gründe für verstärkte Engagements in Small Caps an. Nur, wie sollen wir ein Investment in diesem Bereich aufbauen, der wenig durch Research abgedeckt ist? – Arun in Indien (über den Blog)

A: In den Schwellenmärkten gibt es Tausende von Small- und Mid Caps, sodass es nach unserer Meinung keinen Mangel an potenziellen Kaufgelegenheiten geben sollte. Allerdings müssten Anleger das Research selbst übernehmen, denn zu diesen Tausenden Unternehmen gibt es wenig Research, wie Sie richtig bemerken. Ich bin daher der Meinung, dass noch viel zu tun ist, bis das Management dieser Unternehmen durchleuchtet ist. Aus meiner Sicht würde dies zur Entdeckung enormer Schnäppchen führen. Wir sind der Ansicht, dass Small Caps besonders in Asien ein starkes Wachstumspotenzial aufweisen, während Marktineffizienzen, die teilweise durch eine fehlende Research-Abdeckung entstehen, zu attraktiven Gelegenheiten führen können.

F: Die Türkei hat viele Probleme. Was halten Sie von türkischen Aktien? Suchen Sie nach Anlagemöglichkeiten in der Türkei? – Turan in der Türkei (über den Blog)

A: Wir beabsichtigen, weiter nach Anlagemöglichkeiten in der Türkei zu suchen.  Normalerweise investieren wir gegen den Trend. So suchen wir aktiv nach Chancen in Ländern, die von anderen Anlegern links liegen gelassen werden, wo wir jedoch Wertsteigerungspotenzial sehen. Dazu gehört die Türkei.

F: Seit 1987 haben wir nicht erlebt, dass ein Schwellenmarkt sich zu einem Industrieland entwickelt. Warum ist das so? – Khoo in Tasmanien (über LinkedIn)

A: Was genau ein „Schwellenmarkt“ ist, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter von der Marktgröße, dem Marktzugang und der Konvertierbarkeit der Währung. Ein wichtiger Punkt ist das Pro-Kopf-Einkommen. Unter dem Aspekt des Pro-Kopf-Einkommens entwickeln sich viele Schwellenmärkte derzeit in Richtung Industrieländer (oder in deren Nähe), denn ihr Pro-Kopf-Einkommen ist auf das Niveau von Industrieländern gestiegen. Dazu fallen mir Südkorea und Taiwan ein. Diese Einteilung kann sich je nach Indexanbieter und anderen Stellen unterscheiden. So bezeichnet der Internationaler Währungsfonds die beiden Länder Südkorea und Taiwan als „fortgeschrittene Volkswirtschaften“. Der Indexanbieter FTSE stuft Südkorea als „entwickelt/fortgeschritten“ ein, aber nicht Taiwan, während der MSCI beide Länder zu den Schwellenmärkten zählt. Regelmäßige Untersuchungen können den Status eines Landes ändern. In den letzten Jahren hat es einige bemerkenswerte Umstufungen gegeben. Im Juni des Jahres hat der MSCI bekannt gegeben, dass es Pakistan aus der bisherigen Kategorie „Frontier Market“ mit Wirkung ab 2017 in die der „Emerging Markets“ umstufen wird.  2013 hat der MSCI Griechenland in die andere Richtung umgestuft, nämlich von „Industrieland“ zu „Schwellenland“.

F: Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Südafrika würde mich Ihre Meinung zu diesem Land interessieren. – Owen in Südafrika (über Twitter)

A:  Aus unserer Sicht ist Südafrika der wichtigste Markt in Afrika, gefolgt von Nigeria, Kenia, die Elfenbeinküste, Ghana und Simbabwe. Trotz einiger kurzfristiger Herausforderungen sind wir den afrikanischen Märkten generell langfristig positiv gegenüber eingestellt. Sie besitzen das Potenzial für ein solides Wirtschaftswachstum, das nach unserer Meinung ein günstiges Umfeld schafft, damit Unternehmen Gewinne erzielen und ausbauen. Dieses Potenzial ist zu einem Großteil noch nicht gehoben. Viele afrikanische Märkte verfügen nicht nur über erhebliche Öl- und Gasvorräte und andere „harte“ Rohstoffe, sondern bieten auch die Mittel, um die Erzeugung von „weichen“ Rohstoffen zu steigern. Aus unserer Sicht werden die Chancen noch durch die Börsenbewertungen der afrikanischen Unternehmen vergrößert. Sie rangieren häufig hinter ihren Pendants in den weiter entwickelten Märkten. Die politischen Probleme Südafrikas sind wohlbekannt, aber die gute Nachricht ist, dass der demokratische Prozess läuft, auch wenn es noch etwas dauert, bis er rund läuft. Nach unserer Erfahrung sind die Führungskräfte in südafrikanischen Unternehmen generell sehr gut ausgebildet und erfahren. Viele südafrikanische Unternehmen haben ins Ausland expandiert, sodass ein Investment in ein südafrikanisches Unternehmen häufig bedeutet, dass man auch in anderen Teilen Afrikas und dem Rest der Welt engagiert ist. Die jüngsten politischen Entwicklungen habe auf viel Unternehmen wenig Auswirkungen gehabt. Wir beobachten, dass vieles in dem Land vorankommt, beispielsweise tragen immer mehr junge Leute dazu bei, das Land besser zu entwickeln.  Wie in anderen Gegenden der Welt liegt die Hoffnung und Zuversicht bei der Jugend. Ich bin der Meinung, dass sie ihr Land weiter entwickeln werden.

F: Welche Schwellenländer in Asien sind nach Ihrer Meinung am stärksten durch das britische Votum, die Europäische Union (EU) zu verlassen, betroffen? – Yacine aus den Philippinen (über LinkedIn)

A: Bis zu einem gewissen Grad werden alle Länder durch das britische Votum, die EU zu verlassen, betroffen, da die Abkommen mit der EU jetzt mit dem Vereinigten Königreich neu verhandelt werden müssen. Sowohl Exporte als auch Importe und zu einem gewissen Grad die Finanzdienstleistungen werden betroffen sein. Allerdings dürfte diese Auswirkung nach meiner Meinung von kurzer Dauer sein, da das Vereinigte Königreich sich aggressiv um neue Abkommen kümmern wird, sodass die Folgen sich in Grenzen halten werden. Im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten gehe ich von neu verhandelten bilateralen Abkommen aus. Sie könnten ausgewählte Schwellenmärkte begünstigen, die mit den bisherigen multilateralen Abkommen nicht glücklich waren.

F: Ich bin beruflich in der Transportbranche tätig; wir sehen nur ein trübes Bild für den internationalen Handel und die Rohstoffförderung. Können Sie erläutern, wie sich niedrige Rohstoffpreise auf China auswirken) – Jing in China (über LinkedIn)

A: In diesem Jahr haben sich die Rohstoffpreise nach mehreren Jahren der Schwäche deutlich erholt und die Preise dürften aus unserer Sicht die Talsohle erreicht haben. Für die Zukunft gehen wir von weiter steigenden Rohstoffpreisen aus und wir beobachten einige attraktive Bewertungen unter ausgewählten Titeln in diesem Sektor. Allerdings dürfte meiner Meinung nach der enorme Einfluss Chinas in der Vergangenheit – das Land war lange Zeit der größte Konsument von Rohstoffen – nicht mehr die Rolle im Rohstoffmarkt spielen, die ihm in der Vergangenheit zukam. Wir können daher nicht das Handelsvolumen Chinas erwarten, das wir in den letzten 10 Jahren erlebt haben. Andererseits werden andere wachstumsstarke Länder wie Indien womöglich China ersetzen und die Staffel in der Nachfrage nach Rohstoffen übernehmen. Nachfrage könnte auch aus den Vereinigten Staaten kommen, wenn sie sich erholen, besonders angesichts der Ankündigungen steigender Infrastrukturausgaben, die auf natürliche Rohstoffe angewiesen wären. Zu den Folgen niedriger Rohstoffpreise unmittelbar für China, waren sie stets positiv, da China ein wichtiger Importeur ist und niedrige Preise gut für die Kosten sind. 

F: Warum lässt das Tempo in Indien nach, trotz einer guten Monsunsaison und relativ niedrigen Zinsen? – Kunal in Indien (über Twitter)

A: Die Entscheidung der Regierung, die großen Banknoten für ungültig zu erklären, hat sich dazu beigetragen. Die Abschaffung der alten Geldscheine wird vermutlich negative Folgen auf Wachstum haben und zu einem Vertrauensverlust im gesamten Land. Dies wird zu erheblichen Störungen führen. Der Zweck dieser Maßnahmen, die Bekämpfung der Korruption, ist zwar gut, jedoch war die Umsetzung etwas harsch. Ich gehe davon aus, dass es einige Monate dauern wird, bis die Lage sich erholt.  Indien weist jedoch nach wie vor ein hohes Wachstum aus. Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem und nächstem Jahr um mehr als 7% steigen – mehr als in vielen anderen Ländern auf der Welt, einschließlich Chinas.[1] Das Wachstum könnte nach meiner Meinung noch höher sein, wenn die Infrastruktur verbessert würde. Ich bin auch der Ansicht, dass die indische Zentralbank die Zinsen weiter senken könnte, da die Inflation derzeit kein großes Problem darstellt. Insgesamt halten wir die Aussichten für Indien als glänzend und wir sehen viel Potenzial für Investmentchancen in dem Land.


Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Mark Mobius dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1]Quelle: Weltwirtschaftsausblick des IWF, Oktober 2016. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.

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