Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Eine Schiffsreise in Südostasien

This post is also available in: Englisch, Vereinfachtes Chinesisch, Französisch

Das Fliegen ist eine schnelle und bequeme Möglichkeit, an einen anderen Ort zu gelangen, doch manchmal ist es auch schön, bei langsamer Fahrt die Reise zu genießen. Eine Schiffsreise gewährt uns die Zeit, über die verschlafenen Hafenstädte und betriebsamen Verlade- und Einkaufszentren, die in den angelaufenen Häfen zu sehen waren, nachzudenken.

Segel setzen
Segel setzen

Vor kurzem unternahm ich eine Schiffsreise in die Länder Thailand, Kambodscha und Vietnam in Südostasien, einer Region, an der wir starkes Interesse haben, seit wir 1987 erstmals in Schwellenländern anlegten.

Meine Kollegen und ich starteten in Singapur, und unser erster Zwischenstopp war Koh Samui, die zweitgrößte Insel Thailands nach Phuket. Die Fahrt nach Koh Samui dauerte rund 14 Stunden, und ich hoffte, dort Einblicke in die florierende Tourismusbranche Thailands erlangen zu können. Die Insel ist nahezu vollständig vom Tourismus abhängig, auch wenn es dort Fischerei sowie Kokosnuss- und Kautschukbaum-Plantagen gibt.

Größe und Einwohnerzahl der Insel sind gering, doch Koh Samui bietet herrliche Landschaften. Touristen vom thailändischen Festland und aus anderen Teilen der Welt werden von den schönen Sandstränden, den Kokosnussbäumen, dem milden Tropenwetter und dem klaren, blauen Wasser angelockt.

Während jährlich mehr als eine Million Menschen auf dem Flughafen der Insel landen, gingen meinen Kollegen und ich im Haupthafen Nathon an Land, der auch das Zentrum der Fischereiwirtschaft der Insel ist. Ich sah auch Auto-/Personenfähren, die das thailändische Festland und die Insel verbinden.

Ein Verkehrsstrom aus kleinen Booten bis hin zu Luxuslinern und Hochgeschwindigkeits-Katamaranen, die Reisende nach Bangkok und in andere thailändische Hafenstädte bringen, wiesen auf den Zustand der Insel-Wirtschaft hin. In den letzten Jahren blieb Thailand mit seinem Wirtschaftswachstum hinter einigen Nachbarländern der Region zurück. Daher wollte ich sehen, ob die Dinge wieder in Gang kommen und wo sich potenzielle Anlagemöglichkeiten bieten.

In Nathon sah ich mir die vielen kleinen Souvenirläden und die Marktstände an, an denen all die Tropenfrüchte verkauft werden, für die Thailand berühmt ist. Es gab sogar ein gut ausgestattetes Fitnessstudio für Einheimische und Touristen.

In der Stadt gab es einige kleine Hotels, und die größeren Hotels waren entlang der Küste über die anderen Teile der Insel verstreut, darunter auch ein Luxushotel für vermögende Ausländer.

Zu den touristischen Sehenswürdigkeiten gehören wunderschöne Wasserfälle und eine riesige Buddha-Statue, wo die Menschen nicht nur Buddha verehren, sondern auch Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit und des Mitgefühls.

Da ich Geschichte mag, brachte ich in Erfahrung, dass die ersten Bewohner der Insel Fischer von der malaiischen Halbinsel und aus Südchina waren. Bis ins späte 20. Jahrhundert hinein war die Insel eine weitgehend unabhängige Gemeinschaft mit schwacher Bindung an das thailändische Festland.

Nach Koh Samui war unser nächstes Ziel Laem Chabang, der Haupthafen von Bangkok, wo die Infrastruktur in großem Stil ausgebaut wird. Der geschäftige Hafen gilt als Tor zu Südostasien und kann die größten Schiffe abfertigen. Er hat Container-Anlagen, mit denen mehr als sechs Millionen 20-Fuß-Einheiten (TEU), eine Einheit für Frachtkapazität, abgefertigt werden können. Sagen wir einfach, dass er sehr groß ist! In dem Hafen können sogar Flugzeugträger anlegen.

Auch wenn Laem Chabang eine Hafenstadt ist, in der sich neben einer Ölraffinerie der Großteil des Wirtschaftslebens um den Schiffsverkehr dreht, gibt es Anstrengungen, um die Stadt zu einem Zentrum des Tourismus und zu einer Alternative zum berühmten Badeort Pattaya zu machen.

Auf zu neuen Grenzen in Kambodscha

Anschließend reisten wir nach Kambodscha, das als Grenzmarkt gilt.

In Kambodscha
In Kambodscha

Nebenbei bemerkt gelang den Grenzmärkten in diesem Jahr generell ein guter Start, da viele Anleger das generell schnelle Wachstum dieser Märkte und die möglichen Vorteile, mit ihrer Hilfe das Portfolio zu diversifizieren, erkannt haben.

Wir sind der Meinung, dass Grenzmärkte spannende, langfristige Investitionsmöglichkeiten bieten könnten. Grund hierfür sind vor allem die robusten Fundamentaldaten wie starkes Wirtschaftswachstum, Zugang zu Ressourcen und günstige demografische Profile sowie weitere mögliche Vorteile durch verbesserte Technologie, Infrastrukturen und Governance-Standards. Überdies sind Grenzmarktunternehmen generell häufig niedriger bewertet als ihre Pendants in den Industrieländern.

Kambodscha erlebte ein besonders starkes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von mehr als 7 % in den Jahren 2015 und 2016, und für dieses Jahr wird der Anstieg auf 6,9 % geschätzt.[1] Kambodscha hat seine Wirtschaft geöffnet, und die ausländischen Investitionen nehmen zu.

Insbesondere viele Bekleidungs- und Schuhhersteller aus dem Westen eröffneten in Kambodscha, wo die Lohnkosten niedrig sind und die Bevölkerung jung, Niederlassungen. Die Textil- und Schuhindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land und neben dem Tourismus ein Beschäftigungsmotor.

Besonders fasziniert mich der seit vielen Jahrhunderten bestehende Einfluss Indiens in Kambodscha. Der zentrale Tempelkomplex in Angkor Wat war ursprünglich ein Hindu-Tempel zu Ehren von Vishnu und wurde später in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Der Buddhismus ist heute nach wie vor die vorherrschende – und offizielle – Religion in Kambodscha.

1863 willigte Kambodscha ein, französisches Protektorat und Teil der französischen Indochina-Verwaltung zu werden, zu der auch Vietnam und Laos gehörten. Kambodscha erklärte 1953 seine Unabhängigkeit, kam dadurch jedoch nicht in ruhiges Fahrwasser.

In Kambodscha
In Kambodscha

1975 eroberten die Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh und errichteten das brutale Pol-Pot-Regime, das einen massiven Vernichtungsfeldzug gegen Menschen startete, die als Bedrohung galten, darunter zahlreiche Intellektuelle. Es gibt eine ganze Reihe von Schätzungen, und nach manchen Angaben starben mehr als drei Millionen Kambodschaner – fast die Hälfte der Bevölkerung – bei dem Versuch, alle Spuren westlicher Zivilisation auszulöschen und das Land in einen Agrarstaat des 11. Jahrhunderts zurückzuverwandeln.

Ein 1991 unterzeichneter Vertrag brachte schließlich Frieden und ebnete dem Fortschritt den Weg. Seitdem vollzieht das Land einen tiefgreifenden Wandel in Richtung Moderne.

Weiter nach Vietnam

Nach Kambodscha ging es für uns weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam, das ebenfalls als Grenzmarkt gilt.

Wir bei Templeton Emerging Markets Group interessieren uns schon ziemlich lange für Vietnam als Zielland unserer Anlagen, und angesichts des gewaltigen Fortschritts, den das Land erreicht hat, erkennen wir für die Zukunft weiteres Potenzial.

Die jüngste Privatisierungswelle in Vietnam eröffnet Anlegern neue Chancen und sorgt für Auftrieb am Aktienmarkt des Landes. Nach einer starken Wertentwicklung im Jahr 2016 legte der Referenzindex Vietnam Ho Chi Minh Stock Index bis April 2017 erneut um mehr als 7 % zu.[2]

Gemeinsam mit meinen Kollegen besuchte ich in Vietnam einen Mischkonzern, der in einer Reihe von Geschäftszweigen tätig ist, wie z. B. Stahl, Stahlrohre, Baumaschinen, Möbel, Zement, Immobilien und sogar Tierfutterherstellung. Wir erhielten eine gute Vorstellung von zahlreichen Marktsektoren und sahen, dass die Unternehmensleitung fähig und offen für ausländische Investitionen ist.

Angesichts der hohen Wachstumsraten von Vietnam halten wir die Nachfrageaussichten in vielen Bereichen der Wirtschaft generell für gut. 2016 hatte Vietnam ein BIP-Wachstum von 6,2 %, und für dieses Jahr liegt die Prognose bei 6,5 %.[3]

Meine kurze Reise durch die Gewässer Südostasiens zeigte mir, dass Thailand, Kambodscha und Vietnam nicht nur im Bereich Tourismus, sondern auch im Industriesektor gute Fortschritte erzielt haben. Ich freue mich darauf, potentielle Anlagemöglichkeiten in diesen Ländern künftig genauer zu prüfen.


Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1]Quelle: IMF World Economic Outlook Database, April 2017. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Schätzungen, Vorhersagen oder Prognosen als richtig erweisen.

[2]Quelle: Bloomberg. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

[3]Quelle: IMF World Economic Outlook Database, April 2017. Es kann nicht zugesichert werden, dass sich Schätzungen, Vorhersagen oder Prognosen als richtig erweisen.

Leave a reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.