Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Die politischen Wehen Brasiliens

Gerade schien es noch, dass der brasilianischen Wirtschaft die Kehrtwende gelingen würde, schon löst ein neuer politischer Skandal eine starke Marktreaktion aus und lässt den brasilianischen Aktienmarkt einbrechen. Präsident Michel Temer, der sein Amt angetreten hatte, nachdem die ehemalige Präsidentin Dilma Rouseff aufgrund eines Korruptionsskandals ihres Amtes enthoben worden war, findet sich nun selbst inmitten eines eigenen Korruptionsskandals wieder.

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Sollte sich Temer als unschuldig erweisen, findet die nächste Parlamentswahl in Brasilien 2018 statt. Er würde also noch zwei Jahre im Amt bleiben und dürfte seine Agenda während dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach weiter umsetzen. Sollte er schuldig gesprochen werden, würde er wahrscheinlich ebenso wie Rousseff angeklagt und seines Amtes enthoben werden.

Die stärker reformorientierte Regierung Temers hatte uns zwar Grund zur Hoffnung gegeben, aus unserer Sicht bedeutet dieser jüngste Skandal jedoch nicht, dass die Dynamik unbedingt verloren gehen muss – selbst wenn er zum Rücktritt gezwungen wird.

Auch wenn Temer abberufen werden sollte, wird es unserer Meinung nach zu Reformen kommen. Allerdings dürfte deren Umsetzung dann eine längere Zeit erfordern. Das Entscheidende ist, dass die Reformbewegung zur Bekämpfung von Korruption bestehen bleibt, was für Brasilien insgesamt positiv ist. Auch wenn Temer selbst nicht in der Lage ist, die derzeit von ihm beaufsichtigten Reformen umzusetzen, dürften die Reformisten unserer Einschätzung nach weitere Fortschritte erzielen können, da sich hier bereits eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat. Es wird allgemein erkannt, dass in vielen Bereichen Bedarf an Reformen besteht, deren Umsetzung allerdings oft langwierig sein kann.

 Diese Entwicklungen unterstreichen, wie wichtig es ist, bei einer Anlage in Schwellenländern eine langfristige Perspektive zu wahren. Veränderungen werden nicht über Nacht erzielt.

Aus unserer Sicht bietet Brasilien auf Einzeltitelebene weiterhin zahlreiche Chancen, und diese Art von Marktschock kann Wertsteigerungspotenziale freisetzen. Wir sehen derzeit in fast allen Sektoren Brasiliens Wert, allein aufgrund der Tatsache, dass der Markt in jederlei Hinsicht unter Druck steht. Besonders interessant sind für uns der Banken- und der Einzelhandelssektor.

Aus geldpolitischer Sicht hat die brasilianische Zentralbank meiner Meinung nach weiterhin Spielraum, um ihre Zinsen weiter zu senken. Die Währung hat sich seit dem Tiefststand vom 18. Mai, als der Temer-Skandal an die Öffentlichkeit gelangte, wieder erholt. Vor allem aber geht die Inflation konsequent zurück. Mitte Mai lag die jährliche Inflationsrate Brasiliens bei 3,77 % – dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren.[1]

Meiner Ansicht nach wäre eine aggressive Senkung der Zinsen für die Wirtschaft äußerst positiv. Ich denke, es ist höchste Zeit, dass Brasilien ein angemessenes Zinsumfeld erhält – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die dann zu niedrigeren Zinsen Finanzierung erhalten könnten. Dies könnte der Wirtschaft insgesamt erheblichen Auftrieb verleihen.

Wir werden die Situation in Brasilien natürlich genau im Auge behalten, um zu sehen, welche Auswirkungen der jüngste Rückschlag auf die brasilianische Wirtschaft und die dort tätigen Unternehmen hat. Meiner Meinung nach handelt es sich um einen vorübergehenden Rückschlag. In der Vergangenheit haben wir immer wieder beobachten können, dass sich die Märkte schnell von politischen Skandalen erholen können. Die laufende, längerfristige Erholung des Aktienmarkts und der Wirtschaft Brasiliens scheint aus unserer Sicht weiterhin intakt.

 

Die Kommentare, Meinungen und Analysen von Mark Mobius dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

 

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quellen: Reuters, IBGE.

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