Investmentabenteuer in den Emerging Markets

Perspektive

Auf der Suche nach meinen deutschen Wurzeln – und einem Stück Musikgeschichte

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Auch wenn ich mich während der letzten Jahrzehnte vor allem auf die Schwellenländer konzentriert habe, bereise ich doch auch die Industrieländer recht intensiv. Es ist sehr aufschlussreich, zu sehen, wie vormals „aufstrebende“ Länder ihr kulturelles Erbe pflegen. Ich finde es außerdem interessant, unterschiedliche Entwicklungsbereiche zwischen den verschiedenen Märkten zu vergleichen und zu sehen, welche Sektoren oder Branchen die größte Aufmerksamkeit erhalten. In manchen Fällen ist es überraschend zu sehen, wo die Schwellenländer die Führung übernehmen.

Auf meiner letzten Reise nach Europa habe ich mich entschlossen, mir ein wenig Zeit zu nehmen, um die Heimatstadt meines Vaters zu besuchen – Erlbach in der Nähe von Dresden. Bei unserer Fahrt nach Erlbach dachte ich darüber nach, wie sehr sich die Landschaft seit den Tagen meines Vaters verändert haben muss.

Deutsche Fahrer scheinen eine Vorliebe für hohe Geschwindigkeiten zu haben! Mit 150 Stundenkilometern über die Autobahn zu rasen, war für mich ein wenig beängstigend, aber so konnte ich die vielen stromerzeugenden Windräder sehen, die aus den Feldern entlang der Straße emporragen.

Deutschland erzeugt heute einen großen Teil seines Stroms über Windkraft- und Solaranlagen. 2016 deckte die in Deutschland installierte Windkraftkapazität etwa 13 % des gesamten Strombedarfs des Landes ab, während Solarstrom aus Photovoltaikanlagen ungefähr weitere 6 % lieferte.[1] Diese Zahlen steigen kontinuierlich weiter an, und in den letzten Jahren haben erneuerbare Energien phasenweise mehr als 50 % des deutschen Strombedarfs gedeckt. In Kleinstädten in ganz Deutschland ist es inzwischen üblich, Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Häuser zu sehen. Deutschland hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 ausschließlich erneuerbare Energien zu nutzen.

Deutschland gilt bei der Nutzung erneuerbarer Energien zwar noch immer als weltweit führend, es ist jedoch interessant festzustellen, dass China inzwischen der weltweit größte Hersteller und Verbraucher von Solarmodulen ist. Die chinesische Regierung hat angekündigt, bis zum Jahr 2020 360 Mrd. USD in erneuerbare Energien investieren zu wollen[2]. Damit dürfte das Land beim Rennen um die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen die Nase vorn haben. Angesichts des enormen Energiehungers und der ebenso großen Umweltverschmutzungsprobleme in einigen Städten macht es für die Regierung Chinas durchaus Sinn, Anreize für eine Verlagerung weg von Kohle und hin zu Solarenergie zu bieten. So befindet sich heute auch der weltweit größte schwimmende Solarpark in China – über einem alten, mit Regenwasser gefüllten Kohlebergwerk.

Auf der Suche nach meinen deutschen Familienwurzeln

In Deutschland bestand meine Mission nicht nur darin, Windräder und Photovoltaikanlagen zu bestaunen. In Erlbach, dem kleinen Dorf, in dem mein Vater geboren wurde, befindet sich eine kleine, aber feine Kirche auf einem Hügel oberhalb des Dorfes. Diese Kirche war mein Ziel, da sie in ihrem Inneren etwas ganz Besonderes verbirgt. Auf der einen Seite der Kirche befinden sich Grabsteine, von denen einer den Namen der Familie Mobius trägt.

Dies war nicht meine erste Reise nach Erlbach. Vor vielen Jahren hatte ich bereits einmal die Grenze an der Berliner Mauer überquert, als das Dorf noch Teil der kommunistischen DDR war. Ungefähr zu dieser Zeit diente Russlands heutiger Präsident Wladimir Putin noch als KGB-Offizier im nahegelegenen Dresden. Um nach Ostdeutschland einreisen zu können, musste ich mir zunächst alle möglichen Unterlagen von der DDR-Botschaft in London besorgen. Als mein Cousin Wolfgang mich schließlich zusammen mit seiner wunderschönen Frau und seinen beiden kleinen Töchtern am Berliner „Checkpoint Charlie“ abholte, flüsterten sie mir gleich zu, vor den Kindern nichts politisch Sensibles zu sagen, denn ihr Lehrer würde sie wahrscheinlich zu ihrem „Gast“ aus dem Westen befragen und zu dem, was dieser Gast zu sagen hatte.

Wir fuhren zu ihrem Haus in der Nähe des berühmten Schlosses Colditz, wo Wolfgang seine Zahnklinik hatte. Colditz bleibt vor allem deshalb in Erinnerung, weil sich hier im Zweiten Weltkrieg ein Gefängnis für alliierte Offiziere befand. Es war Schauplatz eines Katz-und-Maus-Spiels zwischen Fängern und Gefangenen, bei dem sich die alliierten Offiziere geniale Möglichkeiten ausdachten, um ihre deutschen Wächter zu überlisten und ihnen zu entkommen. Die Geschichte wurde bereits in Büchern sowie in mehreren Filmen erzählt. Heute ist das Schloss ein Museum, in dem man Einblicke in die unglaublichen Täuschungsmanöver erhält, die sich die alliierten Offiziere ausdachten, um – teilweise erfolgreich – ihren Wächtern zu entkommen.

Nach einer kleinen Stärkung bei Wolfgang fuhren wir nach Erlbach, wo wir meinen Onkel Otto trafen. Er führte uns in die elegante, kleine Erlbacher Kirche, in der er uns eine wunderschöne Bach-Fuge auf der Orgel vorspielte. Ich war von der Schönheit des Klangs in der Holzkirche wirklich beeindruckt. Die Akustik war perfekt.   

Orgel in der Kirche in Erlbach, Deutschland

Im Laufe der Jahre hatte sich der Zustand der Orgel der Kirche verschlechtert, und Reparaturarbeiten waren nötig geworden. 2016 spendete ich etwas Geld für die Sanierung der Orgel, die meiner Familie so schöne Erinnerungen beschert hatte. Die Orgel hielt eine wunderbare Überraschung bereit, die im Zuge der Renovierung aufgedeckt wurde.

Heute wird die Luft per Elektromotor in die Orgel geblasen – früher aber musste jemand hinter der Orgel Pedale in Bewegung bringen, um die nötige Luft zu erzeugen. Für diese Aufgabe wurden in der Regel Jungen aus dem Dorf rekrutiert. Hinter der Orgel entdeckten wir die alten Fußpedale, und gegenüber von den Pedalen befand sich eine stark zerkratzte Holzwand. Bei diesen Kratzern handelte es sich um die Kritzeleien der Jungs, die sich die Zeit vertrieben, während sie die langweilige Arbeit verrichteten, die Pedale zu betätigen und dabei die Wand anzustarren. Zu meiner großen Freude fand ich dort den Namen meines Vaters in die Wand gekratzt. Das zu sehen, war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, und ich erhielt hierdurch einen kurzen Einblick in das Leben meines Vaters in diesem kleinen Dorf, bevor er in seinen Zwanzigern in die USA auswanderte.

Da freute es mich umso mehr, dass ich mithelfen konnte, dieses wunderschöne Instrument wieder instand zu setzen. Nachdem die Orgel repariert war, wurden die alten Stahlpfeifen an Gemeindemitglieder verkauft, und auch ich erhielt eine. Sie gibt einen wunderschönen Klang von sich, wenn ich auf das spitze Ende blase. Zur Einweihung der reparierten Orgel gab ein renommierter Berliner Organist zusammen mit anderen Mitgliedern meiner erweiterten Familie, die sehr musikalisch sind, ein Konzert. Bei der Einweihungsfeier der Orgel wurde auch die Geschichte der Kirche und der Stadt mit Bildern und Dialogen nachgestellt. Ein weiteres tolles Erlebnis für mich.

Als ich dieses Jahr nach Erlbach zurückkehrte, lud ich meinen Kollegen Eddie Chow aus Hongkong sowie seinen Sohn Ashley ein, der ein ausgezeichneter Organist ist. Es war sehr inspirierend zu hören, wie Ashley vor etwa 50 Einheimischen in Deutschland eine Reihe komplexer Bach-Stücke spielte. Einen chinesischen Jungen zu sehen, der in diesem abgelegenen kleinen Bauerndorf Orgel spielt, war für alle Bewohner des Ortes etwas Besonderes. Ashley beeindruckte seine Zuhörer und erhielt einen langen Applaus.

Musik ist wirklich etwas, das Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt.

Beim Musizieren in Erlbach, Deutschland

Per Schiff nach Hamburg

Vor dieser jüngsten Reise hatte ich bereits einmal eine Schifffahrt entlang der Elbe von Hamburg nach Dresden gemacht. Das war eine Reise, die auch mein Vater vor langer Zeit unternommen hat, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Er reiste die Elbe hinauf nach Hamburg, wo er sich der Mannschaft eines Schiffes mit Kurs auf New York anschloss. Meine Familie hat die Aufzeichnungen über seine Ankunft in New York aufgespürt, wo er meiner Mutter, einer Einwanderin aus Puerto Rico, begegnete. Sie lernten sich kennen und verliebten sich ineinander, obwohl die Sprachbarriere groß war. Das Englisch meines Vaters war nicht gut, und meine Mutter sprach kein Deutsch.

Meine Eltern heirateten in New York und kehrten in ihren Flitterwochen nach Erlbach zurück, um die Verwandten meines Vaters zu besuchen. Meldungen über die Machtergreifung der Nazis und die Aussichten auf einen möglichen Krieg brachten sie zurück nach New York und trennten sie von den übrigen Geschwistern meines Vaters, die in Deutschland festsaßen.

 

 

Dresden, Deutschland

Dresden wird von den prächtigen Schlössern und Kirchen der Kurfürsten und Könige Sachsens beherrscht, die die besten Musiker, Architekten und Maler aus ganz Europa zusammenbrachten. Aufgrund der Pracht ihrer Barock- und Rokokobauten wurde die Stadt oft als das „Schmuckkästchen“ bezeichnet. Während des Zweiten Weltkrieges machten amerikanische und britische Bombenangriffe das gesamte Stadtzentrum jedoch dem Erdboden gleich und zerstörten dabei auch die prächtigen historischen Gebäude. Viele der Gebäude wurden restauriert und in ihrem ursprünglichen Glanz wieder aufgebaut – ein Beleg für die Entschlossenheit des deutschen Volkes, die Stadt wieder aufzubauen und wiederzubeleben.

Es gibt zahlreiche wunderbare Kunstsammlungen zu besichtigen. Der Zwinger beherbergt die königlichen Kunstsammlungen mit Gemälden und kunstvollem Porzellan, Uhren, Schmuck und anderen Gegenständen.

Die Schiffsreise auf der Elbe hat mir ein gutes Bild der reichhaltigen Geschichte der Region mit ihrer globalen Bedeutung – insbesondere für die Geschichte des Christentums – vermittelt. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns an unsere angestammten Ursprünge erinnern und Lehren aus der Geschichte ziehen.

So lernen viele Schwellenländer heute tatsächlich von den Erfolgen – und Misserfolgen! – der entwickelten Welt, während sie sich weiter verwandeln und zu globalen Mächten heranwachsen.

Die in diesem Dokument enthaltenen Kommentare, Meinungen und Analysen sind persönliche Ansichten und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung bzw. Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Nutzung einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die vorstehenden Informationen beziehen sich auf das Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht.

Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

[1] Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stand der Daten: 2016.

[2] Quelle: Economic Research Institute For ASEAN and East Asia, „Is the United States Ceding the Climate and Clean Energy Leadership to China?“ 26. Mai 2017.

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